Produktkonfigurator: Varianten nach Regeln statt nach Erfahrung Einzelner
Ein Produktkonfigurator lässt nur baubare Ausführungen zu und erzeugt daraus Stückliste, Preis und Angebot – und nach der Auslieferung die Grundlage für Ersatzteile und Nachrüstungen.
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Ein Produktkonfigurator ist eine Software, mit der sich ein variantenreiches Produkt aus Optionen zusammenstellen lässt, wobei hinterlegte Regeln nur technisch mögliche Kombinationen zulassen. Ergebnis ist eine gültige Konfiguration, aus der Stückliste, Preis und Angebot entstehen. So wird Wissen prüfbar, das sonst in den Köpfen erfahrener Vertriebsleute und Konstrukteure steckt.
Was ein Produktkonfigurator ist und wofür er dient
Konfiguratoren kommen dort zum Einsatz, wo ein Produkt in vielen Ausführungen gebaut wird: Leistung, Abmessungen, Antrieb, Steuerung, Zubehör, Anschlüsse, Länderausführung. Die Menge der rechnerisch möglichen Kombinationen übersteigt schnell, was Preislisten und Tabellen abbilden können, und ein Teil davon ist technisch nicht baubar.
Nach dem Einsatzort lassen sich drei Formen unterscheiden:
- Vertriebskonfigurator. Der Außendienst stellt mit dem Kunden die Ausführung zusammen und erzeugt daraus das Angebot. Im englischen Sprachraum heißt die Kombination aus Konfiguration, Preisfindung und Angebot CPQ, für Configure, Price, Quote.
- Kundenkonfigurator. Interessenten wählen auf der Website selbst und senden eine vollständige Anfrage.
- Technischer Konfigurator. Aus der bestätigten Ausführung entstehen Stückliste, Arbeitspläne oder Zeichnungen für die Auftragsabwicklung.
Am besten greifen alle drei Formen auf dasselbe Regelwerk zu, statt jede ihr eigenes zu pflegen.
Das Regelwerk hinter dem Produktkonfigurator
Den Kern bilden Merkmale mit ihren Werten und die Beziehungen zwischen ihnen. Typische Regelarten sind:
- Ausschlüsse. Eine Option verträgt sich nicht mit einer anderen, etwa ein Antrieb mit einer bestimmten Netzspannung.
- Abhängigkeiten. Eine Wahl erzwingt eine weitere, zum Beispiel ein Zubehör, das eine zusätzliche Steuerungsbaugruppe braucht.
- Berechnungen. Abgeleitete Werte wie Gewicht, Leistungsaufnahme oder Kabellängen folgen aus den gewählten Merkmalen.
- Vorbelegungen. Sinnvolle Standardwerte führen durch die Auswahl, ohne sie festzuschreiben.
Entscheidend ist, wer diese Regeln pflegt. Stehen sie im Programmcode, wartet jede neue Option auf einen Entwickler. Tragfähiger ist ein Regelwerk als Daten, mit eigener Pflegeoberfläche für Produktmanagement und Konstruktion, mit Versionen und mit einem Testlauf gegen bekannte, bereits gebaute Ausführungen, bevor eine Änderung freigegeben wird.
Die Preisfindung folgt demselben Muster. Aufpreise hängen an Merkmalen, Rabatte an Kunden oder Mengen, Sonderwünsche an einer Freigabe. Stehen Preisregeln neben den technischen Regeln im selben Werkzeug, bleibt ein Angebot bei jeder Änderung der Ausführung stimmig.
Anbindung an ERP und Konstruktion
Viele ERP-Systeme bringen eine eigene Variantenkonfiguration mit, in der Merkmale und Beziehungswissen bereits gepflegt sind. Dann ist es oft die bessere Entscheidung, dieses Wissen weiterzuverwenden und eine verständlichere Oberfläche davorzusetzen, statt ein zweites Regelwerk aufzubauen, das mit der Zeit abweicht. Fehlt es, entsteht das Regelwerk neu und übergibt die fertige Konfiguration an das ERP, wo daraus Auftrag und Stückliste werden.
Auf der Konstruktionsseite reicht die Kopplung von festen Zeichnungsnummern bis zu parametrischen CAD-Modellen, die aus den Merkmalen erzeugt werden. Letzteres lohnt vor allem dort, wo Zeichnungen für viele Aufträge angepasst werden müssen. Den Aufbau solcher Verbindungen zwischen Systemen behandelt die Seite Softwareentwicklung.
Die Konfiguration nach der Auslieferung
Im After-Sales ist die gespeicherte Konfiguration einer gelieferten Maschine eine Informationsquelle, die häufig ungenutzt bleibt. Sie beantwortet, welche Ersatzteile zu genau diesem Gerät passen, welche Nachrüstungen technisch möglich sind und welche Dokumentation gilt. Voraussetzung ist, dass die Konfiguration zusammen mit der Seriennummer abgelegt wird und die Regelversion, mit der sie entstand, erhalten bleibt.
Damit entsteht dieselbe Grundlage, auf die ein digitaler Ersatzteilkatalog und ein digitaler Produktpass aufbauen. Ein Nachrüstangebot lässt sich dann mit denselben Regeln prüfen wie ein neuer Auftrag. Und ein Techniker, der die Konfiguration einer Anlage vor der Anreise in einer Service-App sieht, kennt die verbauten Komponenten und nimmt die passenden Teile mit.
Typische Fehler
- Regeln in der Tabelle einer Person. Die Tabelle funktioniert, bis diese Person nicht erreichbar ist.
- Oberfläche vor Regelwerk. Eine ansprechende 3D-Ansicht, die ungültige Kombinationen zulässt, erzeugt Anfragen, die der Innendienst von Hand korrigiert.
- Preis getrennt von der Konfiguration. Aufpreise werden nachträglich kalkuliert, und Angebot und Stückliste widersprechen sich.
- Sonderausführungen außerhalb des Systems. Was nicht konfigurierbar ist, wird per E-Mail geklärt und taucht später in keiner gespeicherten Konfiguration auf.
- Keine Versionierung. Nach einer Regeländerung lässt sich nicht mehr nachvollziehen, warum eine gelieferte Ausführung so gebaut wurde.
Wie wir einen Konfigurator umsetzen
Wir beginnen mit einer Produktfamilie und den Regeln, die heute die meisten Rückfragen auslösen, und prüfen, ob eine vorhandene Variantenkonfiguration im ERP weiterverwendet werden kann. Die Abnahmekriterien stehen vor dem Start im Angebot, etwa dass eine Liste bereits gebauter Ausführungen korrekt nachkonfiguriert wird. Wo Vertrieb oder Service unterwegs konfigurieren, gehört eine mobile Oberfläche dazu, wie sie die Seite App-Entwicklung beschreibt.
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